
Erster Kreisrat Thorsten Heinze begrüßte beim Fachtag Mobilität im Stader Kreishaus rund 40 Gäste: „Auf dem Weg zum Verkehrskonzept für die nächsten 20 Jahre spielt die Beteiligung der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle“.© Landkreis Stade / Christian Schmidt Beim öffentlichen Fachtag „Mobilität“ ging es in dieser Woche im Kreishaus mit rund 40 Gästen um das bewährte Anruf-Sammel-Taxi im Landkreis Stade, sowie um andere On-Demand-Angebote und Pilotprojekte in Nachbarkreisen, bei denen Kleinbusse die Gäste ohne Fahrerin oder Fahrer autonom ans Ziel bringen werden.
Sebastian Schröder-Dickreuter vom Bremer Büro Planersocietät, das das Gesamtverkehrskonzept im Auftrag des Landkreises Stade begleitet, moderierte den Nachmittag. Er nutzte, wie es heute oft üblich ist, ebenfalls digitale Technik. Die Gäste nahmen per Handy an Kurzumfragen teil, deren Ergebnisse zeitgleich auf der Leinwand auftauchen: „Haben Sie schon einmal ein vollautomatisches Fortbewegungsmittel benutzt?“ Immerhin mehr als ein Drittel antworteten mit „Ja“. Wer allerdings kein Handy dabei hatte, konnte auch nicht an den Umfragen teilnehmen. Das gelte vermutlich auch für viele On-Demand-Buchungssysteme im öffentlichen Personennahverkehr, gab ein Gast des Fachtages zu Bedenken – Kritik ist erwünscht. „On Demand“ steht für „auf Anforderung“ und ist den meisten Menschen aus dem kommerziellen Taxi-Betrieb vertraut. In dünn besiedelten ländlichen Regionen, in denen der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) wirtschaftlich zumindest zu bestimmten Tageszeiten an seine Grenzen stößt, können On-Demand-Verkehre, etwa mit Kleinbussen, Lücken schließen und gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität leisten.
Einen Schritt in diese Richtung hat der Landkreis Stade schon vor 25 Jahren gemacht: Am 14. Juni 1999 startete das erste Anruf-Sammel-Taxi, wie Verkehrsplaner Kevin von Wissel (Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen) beim Fachtag berichtete. Bis heute ergänzt das AST-Angebot das Bus- und Bahnnetz, wenn räumlich und zeitlich kein lückenloses Angebot gewährleistet werden kann. So könne von Fahrgästen auch außerhalb der Hauptverkehrszeit „der letzte Zipfel des Landkreises Stade erreicht werden“, sagt von Wissel. Immerhin 6500 Fahrgäste nutzten im Jahr 2023 das AST-Angebot, insbesondere abends in der Freizeit und bei besonderen Gelegenheiten. 1,18 Personen pro Fahrt saßen statistisch im AST-Taxi. Der Landkreis finanziert das Angebot. 197.000 Euro als Zuschuss stehen dafür im Kreishaushalt.
Das AST verkehrt allerdings nicht immer und überall wie ein normales Taxi. Es ist auf seinen 27 Linien an Fahrpläne gebunden, um möglichst mehrere Fahrgastanfragen zu bündeln und die Verflechtung mit dem übrigen ÖPNV zu gewährleisten. Der Einstieg erfolgt immer an einer der zahlreichen Bushaltestellen im Verkehrsgebiet. Der Ausstieg kann ebenfalls dort, aber auch ganz individuell vor der Haustür oder einer anderen Einrichtung erfolgen. Als Faustregel gilt, dass das Ziel nicht mehr als 1000 Meter vom vorgesehenen Linienweg entfernt sein sollte. Fahrtwünsche müssen 45 Minuten vor der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit an der gewünschten Haltestelle angemeldet werden. „Das ging lange nur telefonisch – ist seit Sommer 2022 aber online möglich“, so von Wissel und berichtete über weitere Optimierungsmöglichkeiten: Die Zahlung des Fahrpreises, die im AS-Taxi erfolgen muss, sei zum Beispiel nicht immer digital möglich und auch die Bindung an einen Fahrplan störe viel Fahrgäste. Es gebe einige Ideen zur Verbesserung des AST-Angebotes, doch die Umsetzung sei mit einem höheren Zuschussbedarf verbunden, der jetzt bereits bei 76 Prozent liegt. www.ast-stade.de
OnDemand und autonom in Hamburg-Harburg und Bad Bederkesa
Im Hamburger Bezirk Harburg ist es seit einigen Jahren möglich, über eine Smart-Phone-App Fahrten in On-Demand-Shuttles zu buchen. Der On-Demand-Verkehr hvv hop ist in das Tarifsystem des Hamburger Verkehrsverbunds integriert. Nun soll es einen großen Schritt weitergehen: Projektleiter Fabian Zimmer von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) berichtete beim Mobilitätstag über das Projekt AHOI – die Abkürzung steht für „Automatisierung des Hamburger On-Demand-Angebotes mit Integration in den ÖPNV“, ein Forschungsprojekt, das die Themen Autonomes Fahren und On-Demand miteinander verknüpft. Getestet werden soll das mit einer „gemischten Flotte“ aus autonom und manuell gesteuerten Fahrzeugen, um das Konzept letztlich in den Regelbetrieb mit bis zu 48 Fahrzeugen zu überführen. Ein „komplexes System“ wie Zimmer einräumt. Nicht nur technische Probleme gelte es zu klären, wenn Fahrzeuge des ÖPNV ohne Fahrerin oder Fahrer unterwegs seien. Auch Themen wie IT-Sicherheit und ein fahrgastgerechtes Angebot stehen auf der Agenda. „Nehmen es die Leute an?“ sei schließlich die entscheidende Frage. Zeit hat Projektleiter Zimmer für sein Millionenprojekt bis zum Sommer 2027. vhh-mobility.de/hop/ahoi/

„Selbst ist der Bus“ lautet das Motto eines Projektes für ein autonomes Busangebot in Bad Bederkesa, über das Laura Kottsieper, „Smart City“-Projektmanagerin in der Stadt Geestland (Landkreis Cuxhaven) berichtete.© Landkreis Stade / Christian Schmidt Auch im Nachbarlandkreis Cuxhaven soll „eine Lücke im ÖPNV-Netz“ innerhalb des Ortes Bad Bederkesa mit hochmoderner Mobilität geschlossen werden, wie Laura Kottsieper vom Projekt „Smart City Geestland“ berichtete. Unter dem Motto „Selbst ist der Bus: Geestland rollt in die Zukunft“ sollen zwei autonome Busse auf die Straße gebracht werden. Sie sollen die rad+bus.STATION in Bad Bederkesa mit einem Handels- und Gewerbepark verbinden, der für viele ohne eigens Fahrzeug bisher schwer erreichbar ist. Kottsieper: „Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir schaffen eine Ringverbindung, die es in dieser Form noch nicht gibt und erproben eine neue Technik.“ Ziel ist es rauszubekommen, ob und wie autonomes Fahren die Mobilität im ländlichen Raum verbessern kann. Die Zentrale für die autonomen Busse soll auf dem Gelände des Bauhofs entstehen. smartcity.geestland.eu
Was beide Projekte verbindet: Für den ÖPNV-Busverkehr stehen immer weniger Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung, so beide Fachleute in ihren Vorträgen beim Fachtag Mobilität im Stader Kreishaus. Dieses Problem könne mit autonomen Fahrzeugen gelöst werden.
Erster Kreisrat Thorsten Heinze wies am Ende der Veranstaltung darauf hin, dass der vom Kreistag beschlossene aktuelle Nahverkehrsplan einen Prüfauftrag für die Weiterentwicklung der On-demand-Funktionalität im Landkreisgebiet enthalte. Ein optimiertes AST-Angebot werde eine wichtige Rolle durch eine noch stärkere Abstimmung auf die übrigen ÖPNV-Angebote von Bus und Bahn übernehmen müssen, um Bedienungslücken „auf der letzten Meile“ gerade im ländlichen Raum zu schließen. Nur dadurch ließe sich die Akzeptanz des ÖPNV in der Fläche deutlicher steigern. Die Vorträge hätten hierzu wertvolle Hinweise geliefert. An Konzepten werde derzeit gearbeitet.

