Ein Vorrat an haltbaren Lebensmitteln sollte in jedem Haushalt vorhanden sein.© Landkreis Stade / Christian SchmidtIm Landkreis Stade gab es dieses Szenario lange nicht, doch ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger werden sich daran erinnern: Der Einkaufsladen war nicht mehr zu erreichen oder bekam keinen Nachschub. Bei den schweren Sturmfluten 1962 und in den 1970er Jahren sowie bei der Schneekatastrophe 1978 waren zahlreiche Straßen tagelang unpassierbar. Die Versorgung einiger Dörfer war nicht möglich oder erfolgte mühsam nach und nach mit Unterstützung der Bundeswehr und Hilfsorganisationen. Aus diesen Erfahrungen lässt sich lernen: mit einem Vorrat an haltbaren Lebensmitteln und Getränken. Denn schon ein längerer Stromausfall kann zu kurzfristigen Versorgungsunterbrechungen führen.
Besonders wichtig ist die Versorgung mit Trinkwasser beziehungsweise Getränken. „Ein Mensch kann unter Umständen drei Wochen ohne Nahrung auskommen, aber nur vier Tage ohne Wasser“, heißt es vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Behörde informiert mit einem seinem Ratgeber für Notfallvorsorge, den jede und jeder zur Hand haben sollte. Die Broschüre ist als Download auf der Landkreis-Internetseite und in gedruckter Form in den Rathäusern und im Kreishaus verfügbar.
Die Empfehlung: Pro Person sollten für eine Woche rund 14 Liter Flüssigkeit vorhanden sein. Ein Beispiel: Zwei Sechserträger mit 1,5-Liter-Flaschen Mineralwasser reichen für fast zehn Tage, um eine Person mit Trinkwasser zu versorgen. Bei dieser Kalkulation(täglich 2 Liter pro Person) gehen die Experten übrigens davon aus, dass davon ein halber Liter Wasser für die Zubereitung von Essen verwendet wird. Die übrigen anderthalb Liter können neben Wasser auch Fruchtsäfte oder andere länger haltbare Getränke wie H-Milch sein. Zusätzliches Wasser ist für die Hygiene erforderlich. Zeichnet sich ab, dass es Probleme bei der Wasserversorgung geben könnte, sollten Badewannen, Eimer oder Kanister vorsorglich gefüllt werden.
Ein Tipp für die Notfallvorsorge: Die Lebensmittelvorräte sollten ohne Kühlung längerfristig haltbar sein (Mindesthaltbarkeit beachten). Trockenvorräte und Konserven, unter anderem Mehl, Haferflocken, Nudeln, Reis, Konserven (Obst, Gemüse, Wurst), Zucker, Honig, Fertiggerichte (Suppen, Nudelgerichte) gehören auf die Einkaufsliste. Wer Fertiggerichte kauft, etwa in der Dose, sollte aber beim Inhalt nicht zu sehr von den sonstigen Essgewohnheiten abweichen, meinen Ernährungsfachleute. Es gilt die plattdeutsche Weisheit: „Eten un Drinken hollt Lief un Seel tohoop.“
Ganz praktisch geht das so: Neu gekauften Vorräte gehören nach hinten ins Regal, damit die älteren Lebensmittel zuerst aufgebraucht werden. Wenn der Strom ausfällt, zuerst die tiefgekühlten Vorräte verzehren. Die Vorräte können nach und nach mit Bedacht und Augenmaß aufgestockt werden.
Apropos Stromausfall: Zwar ist das kalte Müsli mit H-Milch auch gut geeignet, um sich im Notfall zu ernähren, doch wenn es etwas Warmes sein soll, sollte auch Kochen ohne zentrale Strom- und Gasversorgung möglich sein. Ein Campingkocher, mit Spiritus oder Gaskartusche betrieben, ist die Alternative, sofern auch der Brennstoff auf Vorrat gekauft worden ist. Auf eine gute Belüftung der Küche ist dann achten. Ein Grill darf nicht in der Wohnung genutzt werden – aus Sicherheitsgründen.
Hintergrund
Themen des Bevölkerungsschutzes haben in der jüngeren Vergangenheit neue Aufmerksamkeit erhalten. Insbesondere drohende Energieknappheit und ihre Folgen sind in den Fokus der öffentlichen Debatte geraten. Aber auch Hochwasser, Großbrände oder Gefahrstoffaustritte können besondere Maßnahmen erfordern. Auf der Internetseite www.landkreis-stade.de/vorsorge hilfreiche Informationen für Ausnahmesituationen verschiedener Art bereitgestellt. Denn jede und jeder Einzelne kann viel tun, um für den Ernstfall vorzusorgen.

