Landkreis Stade

Inhalt

Vorlage - 2014/0418  

Betreff: Anlage für Fahrsicherheitstrainings im Landkreis Stade - Prüfungsergebnisse
Status:öffentlichVorlage-Art:Sitzungsvorlage
Berichterstatter/in:Dezernentin III Streitz
Federführend:Dezernat III Bearbeiter/-in: Streitz, Nicole
Beratungsfolge:
Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus Kenntnisnahme
29.07.2014 
Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag:

Die Ergebnisse werden zur Kenntnis genommen.

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

Mit Beschluss des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus vom 13.11.2013 wurde die Kreisverwaltung beauftragt, die Notwendigkeit der Neuanlage eines eigenen Fahrsicherheitsgeländes für den Landkreis Stade zu prüfen. Dieses sollte in enger Absprache mit Polizei, Feuerwehr, DRK, THW und den örtlichen Fahrschulen geschehen.

 

Derzeitige Situation:

Die Verkehrswacht Stade e.V. bietet seit etlichen Jahren Fahrsicherheitstrainings für die Öffentlichkeit an. Auf einem nicht mehr genutzten Parkplatz der Fa. Aluminium Oxid Stade GmbH werden pro Jahr etwa 13 Trainingstage angeboten. Pro Tag können 10 Teilnehmer geschult werden. Es könnten mehr Ausbildungen stattfinden, allerdings fehlt die Nachfrage dazu. Durch eine abgeschlossene Schranke ist die Fläche gesichert und nicht dem öffentlichen Verkehr zugänglich. Der Platz bietet eine festinstallierte 24 m lange Asphaltfläche als Gleitfläche. Die Wasserversorgung für die erforderliche Benässung wird für jedes Training neu aufgebaut.

Die erforderlichen Maßnahmen für die Instandhaltung der Asphaltfläche werden im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit durch den Landkreis unterstützt.

 

Für die Feuerwehren, den Rettungsdienst und die Hilfsorganisationen führt der Landkreis Stade seit 2009 in Kooperation mit der Fa. Karl Meyer AG im Jahr etwa 12 Trainings durch. Die Fa. Karl Meyer stellt die Übungsfläche, die Infrastruktur und auch Wasser kostenfrei zur Verfügung. An diesen Landkreis-Trainings nehmen jeweils etwa 12 Fahrer von Einsatzfahrzeugen teil. Für die am Wochenende stattfindenden Trainings wird auf dem internen Parkplatz der Fa. Karl Meyer AG in Wischhafen eine spezielle, 60-m-lange Gleitfolie inklusive Beregnungssystem ausgerollt, auf der die Übungen stattfinden.

Die Trainings können aus Platzgründen nur an den Wochenenden durchgeführt werden.

 

Im Rahmen der Kooperation mit dem Landkreis nutzt die Karl Meyer Akademie GmbH die Gleitfolie 4-5 mal im Jahr auch für die Berufskraftfahrerqualifikation bzw. Sicherheitstrainings, die nachrangig zu Landkreis-Trainings stattfinden. Es müssen immer mal wieder Trainingstermine abgesagt oder verschoben werden, weil sich nicht genügend Teilnehmer finden.

 

Zusätzlich organisiert der Landkreis Stade im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit für die oberen Klassen der Berufsbildenden Schulen unter der Woche Fahrtrainings auf dem ADAC-Gelände in Bremen. Diese umfassen auf dem großen und gut ausgestatteten Gelände neben Schleudertrainings auch andere Fahrübungen, speziell für Fahranfänger. Neben der Teilnahmegebühr für die jungen Leute übernimmt der Landkreis auch die Benzinkosten, die durch die notwendige Eigenanreise anfallen. In 2013 haben in diesem Rahmen 3 Lehrgänge stattgefunden. Die Kosten pro Teilnehmer liegen bei rund 100 Euro.

 

Privatwirtschaftliches Interesse:

Im Frühjahr 2014 hat die Karl Meyer AG verschiedene Gespräche geführt, mit dem Ziel, die Chancen für ein neues, gewerbliches Fahrsicherheitsgelände in Wischhafen abzuklären. In ausführlichen Gesprächen konnte die Kreisverwaltung etwa 15 Aufträge pro Jahr belastbar in Aussicht stellen (aktueller Ist-Stand). Bei näherer Betrachtung hat sich für das Unternehmen jedoch ergeben, dass etwa 140 Trainingstage pro Jahr erforderlich wären, um wirtschaftlich zu arbeiten. Die Investitionen betrafen dabei ausschließlich die Herrichtung der erforderlichen Gleitflächen, da ansonsten sowohl Grundbesitz, als auch Infrastruktur (Schulungsraum, Toiletten, Regenunterstand, Stellfläche für größere (Einsatz-)Fahrzeuge) vorhanden waren. Mitte Mai hat die Karl Meyer AG mit Bedauern ihre Planungen als unwirtschaftlich eingestellt.

 

Aussichten:

Bei den Gesprächen mit der Verkehrswacht hat diese deutlich gemacht, dass der vorhandene Platz gerne auch für geschlossene Trainings gebucht werden könnte, insbesondere im Hinblick auf die auch unterwöchige Nutzungsmöglichkeit. Dies könnte gerade im Hinblick auf die Fahrschulen interessant sein.

Für die Nutzung mit Einsatzfahrzeugen ist die Rutschfläche allerdings zu schmal und zu kurz. Außerdem gibt es keine Infrastruktur direkt am Gelände.

 

Bei Gesprächen mit Kreisgruppe Stade des Fahrlehrerverbandes wurde deutlich, dass von dort aus eher der Wunsch nach einem schlichten Übungsplatz vorherrscht. Hierzu hat der Fahrlehrerverband folgende Eckpunkte formuliert:

Die Fläche müsse mindestens 300 mal 80 Meter groß,
von montags bis sonnabends durchgängig kostenfrei zugänglich sein und
ungestörte Übungsmöglichkeiten für Motorräder und LKW bieten.
Außerdem solle sich der Platz im Bereich der Hansestadt Stade befinden.

Je nach eigenem Bedarf baut sich dann vermutlich jeder Fahrlehrer selber Slalomstrecken oder Einparkübungen auf.

 

Für die Fahrsicherheitstrainings, so wie sie im Landkreis Stade bereits durchgeführt werden, ist eine Fläche von insgesamt etwa 5.000 bis 10.000 m² (0,5-1,0 Hektar) erforderlich.

Der Platzbedarf für die speziellen Anforderungen des Fahrlehrerverbandes als reine Fahr-Übungsfläche liegt bei 24.000 m² (2,4 Hektar) und damit deutlich darüber.

 

Um dennoch den Bedürfnissen der Fahrlehrer im Landkreis Stade Rechnung zu tragen, hat die Kreisverwaltung Kontakt mit der Hansestadt Stade aufgenommen. Zusammen mit der Hansestadt wird die Kreisverwaltung verschiedenen Optionen prüfen, auch unter Beteiligung externer Dritter. Allerdings sind diese Möglichkeiten derzeit noch nicht entscheidungsreif.

 

Finanzielles:

Von den jährlich zur Verfügung stehenden Mitteln für die Verkehrssicherheitsarbeit in Höhe von rund 100.000 Euro sind im Rahmen verschiedenster Projekte (z.B. Dialogdisplays, Busstellensicherung) erhebliche Mittel gebunden. Unter der Voraussetzung, dass lediglich ein Fahrsicherheitsgelände gebaut werden soll, das auch in der Lage ist, Einsatzfahrzeugen die nötige Übungsfläche zu bieten, belaufen sich nur die Kosten hierfür auf etwa 500.000 Euro. Zusätzliche Mittel würden benötigt, um den Grunderwerb zu tätigen, hier ist in Stade, je nach Lage und Größe nochmals von etwa der gleichen Summe auszugehen. Weiterhin wären Investitionen für die sonstige Infrastruktur (Schulungsraum, Toiletten usw.) erforderlich.

 

Fazit

  1. Die Einrichtung eines Fahrsicherheitsgeländes in Stade wird zwangsläufig negative Auswirkungen auf die gleichgelagerten Aktivitäten der Verkehrswacht haben.
  2. Um dem aktuellen Schulungsbedarf nachzukommen, genügen die bisherigen vorhandenen Angebote.
  3. Die erforderlichen Investitionen sind so groß, dass sie sich selbst bei einem vorhandenen Grundbesitz nicht wirtschaftlich darstellen lassen.
  4. Erst recht nicht wirtschaftlich ist die Errichtung einer Verkehrsübungsfläche zur kostenfreien Nutzung für die Fahrschulen.