Landkreis Stade

Inhalt

Vorlage - 2019/1180  

Betreff: Beeinträchtigungen im Schienenpersonennahverkehr durch zukünftige Bauarbeiten
Status:öffentlichVorlage-Art:Sitzungsvorlage
Berichterstatter/in:EKR Dr. Lantz
Federführend:Amt für Wirtschaft, Verkehr und Schulen Bearbeiter/-in: Baak, Kai-Ulrich
Beratungsfolge:
Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus Beratung
26.02.2019 
Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus (offen)   

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Beschlussvorschlag:

entfällt

 

 

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Sachverhalt:

 

Im Landkreis Stade wird angesichts von vielen Verspätungen, Zugausfällen und auch massiven baustellenbedingten negativen Folgen für die Fahrgäste des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) verstärkt thematisiert, was getan werden kann, um die Probleme zu verringern und die Folgen zu mildern.

 

In der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus am 07.11.2018 wurde der Eilantrag der CDU-Fraktion vom 30.10.2018 betr. "Beeinträchtigungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV)“ (Sitzungsvorlage 2018/1153) behandelt und die Kreisverwaltung wurde u.a. gebeten, Vertreter der S-Bahn Hamburg GmbH, der Start Unterelbe GmbH, der DB-Netz AG und der VNO in die nächste Sitzung des Ausschusses 2019 einzuladen.

 

Für die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus am 26.02.2018 wurden in Abstimmung mit dem Ausschussvorsitzenden nachstehende Vertreter/-innen eingeladen:

 

- VNO, Herr Geschäftsführer Leist, Herren Verkehrsplaner Sachs und Wiesner

- LNVG, Frau Geschäftsführerin Schwabl

- S-Bahn Hamburg, Herr Geschäftsführer Harder

- start Unterelbe, Herr Geschäftsführer Kappel

- HVV, Herr Thamm (Bereichsleiter Schienenverkehr/Planung)

- DB Netz, Herr Schatkowski und ggf. weitere

 

Damit kann das Thema aus Sicht der Handelnden dargestellt und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden sowie im Ausschuss erörtert werden.

 

Grundsätzlich hervorzuheben ist, dass es angesichts der Defizite der Infrastruktur und der ständigen Aufgabe der Instandhaltung und Verbesserung ausdrücklich zu begrüßen bzw. aus Perspektive der Region ggf. sogar einzufordern wäre, dass Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen stattfinden. Dies gilt auch in Kenntnis, dass Baumaßnahmen naturgemäß mit Einschränkungen für die Nutzer/-innen verbunden sind. Gleichwohl gilt es immer – und angesichts der der Dimension der vorgesehenen Maßnahmen in besonderem Maße – die Auswirkungen zu minimieren, zu koordinieren und zu kommunizieren.

 

Von den künftigen baustellenbedingten Beeinträchtigungen im SPNV sind die anderen in der VNO zusammen geschlossenen Landkreise ähnlich betroffen und daher wurde ein gemeinsames Auftreten bei den Interessen vereinbart.

 

Die VNO hat den Landkreis Stade u.a. über geplante Baumaßnahmen der kommenden Jahre, erwartete Leistungseinschränkungen infolge von Baumaßnahmen im SPNV und Anregungen für Baufahrpläne und flankierende Maßnahmen für die Nutzer/-innen informiert, die im Folgenden dargestellt werden:

 

Zur Ausgangslage wird dabei zunächst festgehalten, dass werktäglich über 160.000 Fahrgäste mit S- und Regionalbahnen über die Süderelbe fahren, etwa 70 % davon mit den S-Bahnen. In der morgendlichen Spitzenstunde sind es allein in Richtung Hamburg durchschnittlich über 13.000 Menschen. Hinzu kommen noch fast 35.000 Fahrgäste pro Tag im Fernverkehr. An der Norderelbe steigt die Auslastung der S-Bahn um weitere 30.000 Fahrgäste pro Tag, so dass insgesamt etwa 225.000 Fahrgäste an einem Werktag befördert werden (Fahrgastzahlen aus der HVV-Untersuchung zur Verbesserung des SPNV in der südlichen Metropolregion Hamburg, LNVG-Präsentationen und Olympia-Gutachten).

 

Vom 30. Juli bis 15. August 2018 wurden Bauarbeiten auf der S-Bahnstrecke zwischen Harburg Rathaus und Wilhelmsburg durchgeführt, die auf dieser Strecke den S-Bahnverkehr vollständig unterbrochen haben. Ein Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen wurde eingerichtet. Viele Fahrgäste zwischen Harburg und Hamburg wichen auch auf die metronom-Züge aus. Dies war insofern problematisch, weil im Hamburger Hauptbahnhof gleichzeitig das Gleis 11 (bis 7. August 2018) saniert wurde und dadurch sonst vorhandene Kapazitäten bei den metronom-Zügen ausgefallen waren. Auch eine kurzfristig erfolgte Öffnung des Fernverkehrs verbesserte die Situation vor allem morgens kaum, weil es zu dieser Zeit nur wenige IC-/ ICE-Züge nach Hamburg gibt. Insgesamt musste festgestellt werden, dass es zu teilweise unzumutbaren Zuständen und Gefahrensituationen in Zügen und auf Bahnhöfen sowie unverhältnismäßigen Verspätungen gekommen ist.

 

Bereits seit rd. zwei Jahren zwingen Bauarbeiten zu Ausfällen von Regionalzügen zwischen Hamburg und Harburg. Die Einschränkungen im Zulauf auf den Hamburger Hauptbahnhof führen im Regionalverkehr zu einer Verschlechterung der Verbindungsqualität. Unbestritten ist dabei, dass Bauarbeiten zur Instandhaltung und Pflege der Infrastruktur notwendig sind.

 

Allerdings hat die VNO festgestellt, dass im Jahr 2018 die baustellenbedingten Zugausfälle an Werktagen ein erhebliches Ausmaß angenommen haben:

 

Abschnitt
Hamburg - Harburg
der Linien

Vorgesehene Zuganzahl pro Tag (Mo-Fr)

Ausfallzeit

2018

in Wochen

Ausgefallene Züge pro Tag (Durchschnitt)

Anteil

RE3/ RB31 (Lüneburg)

82

18,5

-2,8

- 3,4 %

RE4/ RB41 (Bremen)

86

23,5

-6,3

- 7,3 %

RE5 (Cuxhaven)

38

11,0

-29,6

- 78,0 %

 

Auf der Strecke nach Cuxhaven waren danach die Zugausfälle in 11 Wochen am Gravierendsten: Nur noch jeder 5. Zug fuhr zum Hamburger Hauptbahnhof. Über 9 Tage war die S-Bahn auch keine Alternative, weil zwischen Harburg und Wilhelmsburg ebenfalls Bauarbeiten den Zugverkehr unterbrochen haben.

 

Insgesamt muss leider festgehalten werden, dass monatelange Ausfälle und Umsteige-notwendigkeiten auf den wichtigen Zulaufstrecken nach Hamburg die Attraktivität des öffentlichen Personenverkehrs deutlich reduziert haben.

 

Nach dem jetzigen Kenntnisstand der VNO bleibt die Problematik der Bauarbeiten auf der Strecke Hamburg - Harburg auch in den kommenden Jahren erhalten und könnte sich zeitweise weiter verschärfen. Dabei stehen die Auswirkungen auf den Zugverkehr noch nicht im Detail fest. Als Beispiele für künftige Baumaßnahmen seien hier genannt:

 

                      Bahnsteigarbeiten

Hamburg Hbf. Gleise 12-14; Gleis 12: 11. Juni - 28. Juli 2019, Gleise 13 und 14 sind noch nicht terminiert.

 

                      Brückenarbeiten

(Erneuerung Brücken über Müggenburger Zollkanal an der S-Bahnstation Veddel) mit Sperrung eines Personenzug-Gleises (Gleiswechselbetrieb mit Fahrzeitverlust), 29. Juli -14. Dezember 2019, vermutlich dauert diese Maßnahme bis Ende 2020.

 

                      S-Bahnsteigneubau

Elbbrücken und Sanierungen Harburg bis Heimfeld bis zum Jahr 2020.

 

                      Ertüchtigung der S-Bahnstrecke Hamburg Hbf HH-Harburg

                        für Mehrverkehre in den kommenden Jahren (neue Weichentrapeze Hammerbrook - Harburg Rathaus, neue Signale sowie Anpassung der Stromversorgung Altona - Dammtor - Hauptbahnhof - Harburg Rathaus).

 

                      Überwerfungsbauwerk Meckelfeld, gegenwärtiger Zeitplan:

Start Planfeststellungsverfahren: 30.08.2018,

Bauzeit von Oktober 2021 bis 3. Quartal 2026.

 

                      Knoten Hamburg (aus BVWP 2030) u.a.:

1.                  Neue Bahnsteigkante für Hamburg Hauptbahnhof Gleis 9 auf Planum von Gleis 10

2.                  Entflechtungsbauwerke in Hamburg-Harburg

3.                  Kreuzungsbauwerk Hamburg-Wilhelmsburg.

 

                      Süderweiterung Hamburg Hauptbahnhof,

Sanierung und Erneuerung der Steintordammbrücke und Altmannbrücke ab 2025 ff.

 

  • Süderelbbrücke, die beiden mittleren (von 4) Brückenteilen mit zusammen 4 Gleisen dürfen nur noch mit maximal 50 km/h befahren werden. Ein Sanierungszeitraum steht noch nicht fest.

 

                      Der neue Bahnhof Altona und die Sanierung der Strecke Hannover - Kassel können auch Auswirkungen auf den Regionalverkehr der Linien RE3, RE4, RE5, RB31 und RB41 haben.

 

Die Zusammenstellung zeigt, dass bereits jetzt absehbar bis weit ins nächste Jahrzehnt insbesondere größere Bauarbeiten zwischen Harburg und Hamburg Hbf anstehen, die den regionalen Bahnverkehr erheblich auch über einen längeren Zeitraum beeinträchtigen können. Deshalb ist es erforderlich, dass die Verantwortlichen bei der Erstellung der Baufahrpläne insbesondere an Berufspendler/-innen denken müssen, denen ausreichende Beförderungskapazitäten in einer akzeptablen zeitlichen Verteilung zur Verfügung stehen müssen. Dazu gehört, dass zumindest Bauarbeiten auf der S-Bahnstrecke und den Fern- und Regionalbahnengleisen nicht zeitlich parallel stattfinden.

 

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 sollen im Regionalverkehr keine 5- Wagenzüge mehr eingesetzt werden, sondern nur noch 6- oder 7-Wagenzüge. Auf der S3 fahren in der Regel so genannte Langzüge (mit 9 Wagen) in den Hauptverkehrszeiten, auf der S31 verbleiben 6 Wagen pro Zug. Damit stehen pro Spitzenstunde insgesamt über 14.000 Sitzplätze pro Richtung zur Verfügung. Hinzu kommen noch weitere Kapazitäten bei den Stehplätzen von etwa 7.000 Fahrgästen (Größenordnung dafür sind die gegenwärtig stärkst besetzten Züge der S-Bahn bzw. start Unterelbe/metronom). Damit finden die etwa 16.000 vorhandenen Fahrgäste (pro Spitzenstunde und Richtung) im Querschnitt an der Norderelbe grundsätzlich ausreichend Platz.

 

Positiv hervorzuheben ist, dass nach den verschiedenen bereits in den vergangenen Jahren erfolgten Maßnahmen zur Verbesserung des SPNV (sowohl S3 und RE5 als auch RB33 Richtung Bremervörde) auch zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 wiederum Mehrverkehr durch die LNVG bestellt wurde, so ein um eine Stunde früher beginnender 10-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit auf der S-Bahn-Linie von Buxtehude nach Hamburg, ein um eine Stunde verlängerter 20-Minuten-Takt von Hamburg nach Buxtehude am Abend und in den Nächten von Freitag auf Sonnabend und von Sonnabend auf Sonntag eine nunmehr die gesamte Nacht durchgehende einstündige Verbindung von Hamburg nach Stade mit der S3.

 

Bei den anstehenden Baustellenfahrplänen sollten u.a. folgende Aspekte zumindest überprüft werden:

 

  • Durchbindung möglichst aller Regionalzüge In den Hauptverkehrszeiten bis Hamburg Hbf., ggf. mit leicht verschobenen Zeitlagen unter Beachtung einer guten zeitlichen Verteilung. Hierbei sollte auch bereits für den Baufahrplan 2019 geprüft werden, ob der Güterbahnverkehr konsequent in Zeiten außerhalb der Verkehrsspitzen der Berufspendler erlegt werden kann. So frei gewordene Trassen könnten dann vorzugsweise für den RE5 (Cuxhaven-Hamburg) verwendet werden, der sonst ab 11.06.2019 bis voraussichtlich zum Jahresende 2020 fast komplett zwischen Harburg und Hamburg entfällt.

 

  • Bei Zugausfällen zwischen Harburg und Hamburg sollten die ansonsten durchfahrenden Züge alle möglichst 7 Wagen haben. Damit können bis zu 200 Fahrgäste mehr pro Zug befördert werden als mit einem 6-Wagen-Zug. Die in Harburg endenden Züge könnten entsprechend verkürzt werden. Dabei müssten dann im Vorfeld alle Bahnsteige (auch der RB-Linien) zumindest provisorisch entsprechend verlängert werden.

 


  • Rechtzeitige Freigabe der DB-Fernverkehrszüge zwischen Hamburg Hbf und HH-Harburg, auch am Freitagnachmittag.

 

  • Bei notwendigem Schienenersatzverkehr sind genügend Kapazitäten bereit zu stellen. Dazu gehören auch Reservefahrzeuge mit Fahrpersonal, die in Zeiten von unerwarteten Verkehrsspitzen schnell zum Einsatz kommen können.

 

  • Bei Ausfall der RE5-Züge sind kurze und gute Umsteigemöglichkeiten im Bahnhof HH-Harburg an dem gleichen Bahnsteig wünschenswert. So sollte z.B. geprüft werden, den RE3 von Lüneburg in HH-Harburg über das Gleis 5 zu führen oder auch den ICE aus München. In der Gegenrichtung könnten die RE4-Züge ebenfalls über das Gleis 5 geführt werden und so für bahnsteiggleiche Anschlüsse sorgen. Dafür müssten kleine zeitliche Anpassungen am RE5 (z.B. Abfahrt zur Minute 28 statt 24) vorgenommen werden. Damit könnten den Fahrgästen weite Wege über 2 Treppen erspart werden.

 

  • Rechtzeitige, umfassende und verlässliche Fahrgastinformationen in allen Auskunftsmedien.

 

 

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