Landkreis Stade

Inhalt

Auszug - Museen Stade und Museum Buxtehude für Regionalgeschichte und Kunst Sachstandsberichte  

Sitzung des Kulturausschusses
TOP: Ö 4
Gremium: Kulturausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mi, 06.02.2013 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 15:00 - 17:30 Anlass: Sitzung
Raum: Konzertsaal Schloss Agathenburg
Ort: Hauptstraße, 21684 Agathenburg
2013/0199 Museen Stade und Museum Buxtehude für Regionalgeschichte und Kunst
Sachstandsberichte
     
 
Status:öffentlich  
 
Wortprotokoll
Abstimmungsergebnis

KBR Bode gibt eine Einführung in die Trägerschaft der Museen und verweist mit Hinblick auf die anstehenden Haushaltsberatungen im Herbst 2013 auf den Umfang der Zuschüsse durch die Hansestadt Stade, die Stadt Buxtehude sowie den Landkreis Stade. Die anschließenden Sachstandsberichte der Museums-leitungen sollen die Konzeption und die Inhalte der Museumsarbeit beleuchten. Außerdem soll die angespannte finanzielle Situation beider Institutionen ver-deutlicht werden.

 

Frau Dr. Keller, die seit März 2012 das Buxtehude Museum leitet, gibt in ihrer Präsentation eine kurze Einführung in die Geschichte des Hauses. In diesem Jahr feiert das Heimatmuseum sein 100jähriges Jubiläum. 1989 wurde der Museumsverein Buxtehude gegründet, deren Mitglieder (Landkreis Stade, Stadt Buxtehude und Heimatverein Buxtehude) das Museum gemeinsam tragen. Nach einem Erweiterungsbau wurde 1992 das Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst eröffnet.

 

In der Folge verweist Frau Dr. Keller auf die „Standards für Museen", die vom Deutschen Museumsbund und ICOM-Deutschland definiert wurden. Die wichtigsten Punkte sind anhand der in der Anlage beigefügten Power Point-Präsentation ersichtlich.

 

Neben den Kernaufgaben eines Museums, zu denen insbesondere das Aus-stellen, Bewahren, Forschen und Vermitteln gehören, gewinnen die Dritt-mittelakquise, Öffentlichkeitsarbeit und der Besucherservice zunehmend an Bedeutung.

 

Die Museumsarbeit wird mit relativ wenig Personal bewältigt, von dem niemand eine Vollzeitstelle besitzt. Summiert ergibt sich ein Ist-Zustand von 123 Wochenstunden, der 3,2 Vollzeitstellen entspricht. Hinzu kommen noch geringfügig Beschäftigte und ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Anzahl der Per-sonalstellen ist in den letzten Jahren stark abgebaut worden. So waren im Jahr 1996 rechnerisch noch 6 Vollzeitstellen mit 230 Wochenstunden vorhanden.

 

Frau Dr. Keller berichtet darüber, dass aufgrund dieser angespannten Personalsituation einige Kernaufgaben des Museums wie Inventarisierung, wissenschaftliche Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Haustechnik usw. nicht im notwendigen Rahmen durchgeführt werden können. Eine weitere Folge dieses bereits länger andauernden Zustandes ist eine Vielzahl aufgelaufener Überstunden, die mittlerweile einen Wert von ca. 65.000,- Euro umfassen.

 

Die zukünftigen Arbeitsaufgaben des Buxtehude Museums werden durch Frau Dr. Keller umrissen. Dazu gehören der Ausbau der Museumspädagogik, die Entwicklung eines Marketingkonzeptes, die Neukonzeption der Dauerausstellung, die Inventarisierung der Museumsbestände, die Sanierung des Museums-gebäudes und die Museumsregistrierung.

 

Die finanzielle Situation der Jahre 2009-2012 des Buxtehude Museums wird durch Frau Dr. Keller erläutert. In den Jahren 2009-2011 wurde jeweils mit einem Defizit von ca. 10.000,- Euro abgeschlossen. Der positive Jahres-abschluss für 2012 erklärt sich aus einmaligen Effekten wie noch nicht eingegangene Rechnungen und durch vakante Personalstellen.

 

KA Wein-Wilke fragt nach, ob in diesen Zahlen auch die angefallenen Über-stunden enthalten sind.

Frau Dr. Keller teilt mit, dass dies nicht der Fall ist.

 

KA Bredendiek fragt nach den zurückliegenden Besucherzahlen.

Frau Dr. Keller antwortet, dass im Jahr 2011   10.000 Besucher und 2012 über 8.000 Personen das Museum besucht haben.

 

KA Stresow fragt nach der Bedeutung ehrenamtlicher Mitarbeiter für das Museum.

Frau Dr. Keller betont die Wichtigkeit des Ehrenamtes zur Aufrechterhaltung des Museumsbetriebes, stellt aber auch heraus, dass für deren Ausbildung und Betreuung personelle Ressourcen notwendig sind.

 

KA Ott möchte die konkrete Zahl der angefallenen Überstunden wissen.

Frau Dr. Keller antwortet, dass etwa 2.000 Überstunden angefallen sind.

 

KA Wein-Wilke fragt nach dem Inhalt und der Bedeutung der Museums-registrierung

 

Mit Hinweis auf die bereits erfolgte Registrierung des Schwedenspeicher Museums Stade erläutert Frau Dr. Keller, dass es sich um ein Qualitätssiegel des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen handelt, welches von unabhängiger Seite regelmäßig überprüft wird.

 

Herr Dr. Möllers ergänzt, dass dieses Siegel für 7 Jahre vergeben wird. Dabei spielt neben  inhaltlicher Kriterien u.a. auch die finanzielle Ausstattung eine Rolle.

 

KA Dr. Raydt bittet um eine Erklärung für die im Plan für 2013 um 45.600,- Euro erhöhten Einnahmen.

Frau Dr. Keller antwortet, dass es sich hierbei um beantragte Zuschüsse handelt, über deren Zusage durch die Drittmittelgeber noch nicht entschieden worden ist.

 

Es folgte dann die Präsentation „Stand und Zukunft der Museen Stade" von Herrn Dr. Möllers.

 

Als erstes der vier Häuser stellt Herr Dr. Möllers das Schwedenspeicher Museum vor, dessen Schwerpunkt in der Darstellung der Stader Stadtgeschichte, der Hansezeit und der Urgeschichte des Elbe-Weser-Dreiecks liegt. Hinzu kommen mindestens zwei Sonderausstellungen pro Jahr, museumspädagogische Aktivitäten und verschiedene kulturelle Veranstaltungen.

 

Im Schwedenspeicher sind zwei der vier Etagen umfassend saniert und in diesen Räumen die Dauerausstellungen neu aufgestellt worden. Außerdem ist das Museum behindertengerecht umgebaut worden, wobei das Angebot für Hörgeschädigte herauszuheben ist.

 

Für die Jahre 2013-15 gibt Herr Dr. Möllers einen Ausblick auf die geplanten Sonderausstellungen, die immer auch regionalen Themen behandeln.

 

Das Kunsthaus Stade, welches sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst und der klassischen Moderne widmet, zeigt jährlich mindestens drei verschiedene Ausstellungen. Er hebt besonders die erfolgreichen Ausstellungen zu Picasso, Kokoschka oder Pechstein hervor, die auch überregional ein großes Echo hervorriefen. Herr Dr. Möllers gibt auch einen Einblick für die Planungen der kommenden Jahre:

 

Das Freiluftmuseum auf der Insel mit den historischen ländlichen Gebäuden und Gärten ist im letzten Jahr verstärkt in den Fokus gerückt. Im September 2012 wurde erstmalig ein Inselmarkt durchgeführt, der über 8.000 Besucher angezogen hat und der zukünftig zweimal im Jahr veranstaltet werden wird.

 

Für das vierte Haus der Stader Museen - das derzeit geschlossene Heimatmuseum - wird nach einem neuen Nutzungskonzept gesucht. Die hier verwahrten Bestände wie Trachten, Zeugnisse bürgerlicher Wohnkultur und alten Handwerks sind bislang nicht inventarisiert. Das 1904 als eines der ersten reinen Museumsbauten Deutschlands errichtete Gebäude hat einen hohen Sanierungsbedarf.

 

Träger dieser vier Einrichtungen ist der Museumsverein Stade e.V., der vom Stader Geschichts- und Heimatverein e.V., dem Landkreis Stade und der Hansestadt Stade getragen wird. Die Eigentümerstruktur der vier Immobilien stellt sich wie folgt dar: Schwedenspeicher - Hansestadt Stade; Kunsthaus Wasser West - Landkreis Stade; Freiluftmuseum Insel und Heimatmuseum - Stader Geschichts- und Heimatverein.

 

Die Zahl der Besucher und die Einnahmensituation entwickelt sich in den letzten Jahren positiv, ist aber von erfolgreichen Sonderausstellungen abhängig. Die Einführung höherer Eintrittsgelder führte nicht zu einem Besucherrückgang. Herr Dr. Möllers erläutert anhand umfangreicher Besucherumfragen die Bedeutung der Museen für den Tourismus. Insbesondere Tagesgäste werden durch die Einrichtungen angezogen. Es kommen beispielsweise 25 % der Besucher aus Hamburg. Diesen Trends wird durch eine gezielte Marketingstrategie Rechnung getragen.

 

Ausführlich wird durch Herrn Dr. Möllers die Entwicklung der Zuschüsse, Ausgaben und Besucherzahlen der Jahre 1999-2012 dargestellt. Der Zuschuss des Landkreises Stade und somit auch der Hansestadt Stade verringerte sich in diesem Zeitraum von (umgerechnet) 349.646,95 Euro auf 305.000,- Euro. Die in dieser Zeit durch Inflation und Tariferhöhungen anfallenden Preissteigerungen sorgten für ein strukturelles Defizit. Er betont auch die zunehmende Wichtigkeit der Gewinnung von Sponsoren, um Sonderausstellungen finanzieren zu können.

 

In einem „Masterplan 2020" stellt Herr Dr. Möllers die anstehenden Aufgaben der nächsten Jahre vor:

 

???????????????Schwedenspeicher: Sanierung der 2. Gebäudehälfte, Erneuerung der Ausstellung im 2. Obergeschoss

???????????????Kunsthaus: Vollklimatisierung, Renovierung der Ausstellungsräume, Verbesserung der Kassen- und Garderobensituation sowie der Barrierefreiheit

???????????????Freilichtmuseum: Beschilderung, Erneuerung der Gartenanlage, Rückbau einzelner Gebäude

???????????????Heimatmuseum: Kernsanierung und Überführung in eine museumsnahe Nutzung

???????????????Magazin: Ausbau, Ausstattung, Sammlungsbetreuung

 

Hinzu kommen noch weitere Vorhaben wie beispielsweise die Realisierung eines Personalentwicklungsplans, Wiederaufnahme der Sammlungstätigkeit, Ausbau der Forschung am Bestand und Sicherung der Museumsregistrierung.

 

Die zweijährige Tätigkeit von Herrn Dr. Möllers als Direktor der Museen Stade ist durch mehrere Auszeichnungen gewürdigt worden.

 

Im letzten Jahr hat sich der Förderverein „Freunde der Museen Stade e.V." gegründet, der die Museen in ihrer Arbeit unterstützen soll.

 

KA Kamprad fragt an, wie die Differenz der vergangenen Jahre ausgeglichen wurde.

Herr Dr. Möllers antwortet, dass hierfür zinsintensive Darlehen verwendet werden mussten.

 

Herr Elfring (Kulturausschuss Hansestadt Stade) fragt nach der Personalsituation der Museen Stade.

Herr Dr. Möllers berichtet, dass für die vier Häuser zehn fest angestellte Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Hinzu kommen noch 1-Euro-Kräfte und ehrenamtliche Mitarbeiter.

 

KA Bredendiek möchte eine nähere Erläuterung der Personalkosten des Jahres 2012.

Herr Dr. Möllers stellt die Personalsituation dar.

 

KA Grundmann fragt nach den Aktivitäten der Arbeitsgruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Besucherzahlen zu erhöhen und das Marketing zu intensivieren.

Herr Dr. Möllers antwortet, dass die Arbeitsgruppe aktiv ist und verschiedene Marketingmaßnahmen durchführt. Als Beispiele werden die Besucherumfragen und der durch die KVG gesponserte Werbebus genannt.

 

Vorsitzende Dürkes fragt nach bestehenden Kooperationen zwischen den Museen Stade und der Kulturstiftung Schloss Agathenburg.

Herr Dr. Möllers betont, dass intensive Kontakte der Mitarbeiterinnen für Marketing bestehen und dass Schwedenspeicher Museum Leihgeber für die Dauerausstellung im Schloss ist.

 

Vorsitzende Dürkes fasst beide Sachstandsberichte dahingehend zusammen, dass an den Einrichtungen hervorragende Arbeit geleistet wird. Es besteht allerdings ein Bedarf an zusätzlichen finanziellen Mitteln, der sicherlich zu Diskussionen führen wird.

 

KA Grundmann würdigt insgesamt die positive Kulturarbeit im Landkreis Stade, wozu die musealen Einrichtungen einen wichtigen Beitrag besonders auch für den Kulturtourismus leisten. Andererseits sind die vorgestellten finanziellen Zahlen ernüchternd.

 

Frau Dr. Keller verdeutlicht die Bedeutung der Kultur als „weicher Standortfaktor". Sie verweist auf die Hansestadt Lüneburg, die derzeit einen zweistelligen Millionenbeträge in den Ausbau ihrer kulturellen Infrastruktur investiert.

 

Herr Dr. Möllers betont ebenfalls die Bedeutung der Kultur als Standortfaktor gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel.

 

KA Kamprad hebt ebenso die hohe Qualität der kulturellen Landschaft im Landkreis Stade hervor und möchte dies durch eine Anhebung der finanziellen Mittel gerade für die Museen honoriert sehen. Er verweist auf die Bedeutung ehrenamtlicher Mitarbeiter.

 

Herr Dr. Möllers erläutert die Einsatzmöglichkeiten der Ehrenamtlichen im Schwedenspeicher Museum. Besonders im Kunsthaus sind deren Einsatzmöglichkeiten eingeschränkt, da die Versicherungsprämien sonst exorbitant ansteigen würden.

 

KBR Bode fasst die Sachstandsberichte und die anschließende Diskussion zusammen. Als wichtigste Kernpunkte stellt er die Unterfinanzierung der Museumsvereine und die Fragen der Gebäudeunterhaltung und des Gebäudemanagements heraus. Die Entwicklung der Zuschüsse muss nun bei den zukünftigen Haushaltsberatungen thematisiert werden. Der Handlungsbedarf ist akut und wird im Hinblick auf die dargestellten Defizite im laufenden Haushaltsjahr bereits für 2013 einen zusätzlichen Mittelbedarf bedeuten. Für das Kunsthaus sind zeitnah Gespräche zwischen den Vertretern des Landkreises Stade und Herrn Dr. Möllers vereinbart, um die zukünftigen Aufgaben bei der Bauunterhaltung und Sanierung des Hauses abzuklären.

 


             

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Kulturausschuss_Museen_Stade (22098 KB)      
Anlage 2 2 Kulturausschuss_Landkreis_6.2.2013-Endfassung (1193 KB)