Landkreis Stade

Inhalt

Auszug - Beeinträchtigungen im Schienenpersonennahverkehr durch zukünftige Bauarbeiten  

Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus
TOP: Ö 4
Gremium: Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Tourismus Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 26.02.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 8:30 - 11:51 Anlass: Sitzung
Raum: Sitzungssaal Elbe
Ort: Am Sande 2, 21682 Stade
2019/1180 Beeinträchtigungen im Schienenpersonennahverkehr durch zukünftige Bauarbeiten
     
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Sitzungsvorlage
Berichterstatter/in:EKR Dr. Lantz
Federführend:Amt für Wirtschaft, Verkehr und Schulen Bearbeiter/-in: Baak, Kai-Ulrich
 
Wortprotokoll
Abstimmungsergebnis

Herr Ehlers stellt die anwesenden Gäste zu diesem Tagesordnungspunkt vor. Anwesend sind Frau Schwabl (Geschäftsführerin der Landesnahverkehrsgesellschaft), Herr Kappel (Geschäftsführer start Unterelbe), Herr Schatkowski (DB Netz), Herr Harder (S-Bahn Hamburg), Herr Thamm (Hamburger Verkehrsverbund) sowie Herr Leist und Herr Sachs von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachen (VNO).

 

 


Herr Kappel (start Unterelbe) berichtet von der schwierigen Startphase Anfang Dezember. Neben dem Streik am ersten Werktag seien mehrere technische Defekte aufgetreten und durch den Unfall in Agathenburg sei ein Fahrzeug komplett für mehrere Monate ausgefallen. Er räumt ein, dass bei der Kommunikation mit dem Kunden Verbesserungspotenzial bestehe. Der Personalbestand sei allerdings vergleichsweise gut. Derzeit betreibe man eine Stör-Analyse, um die Probleme an den Fahrwegen zu beseitigen. Die Fehler lägen häufig in den Stellwerken und Bahnübergängen. Er informiert außerdem darüber, dass aufgrund der Baustellen ab Mitte Juli für anderthalb Jahre kaum noch Züge der RE5 direkt bis Hamburg Hauptbahnhof durchgebunden werden könnten.

 

Herr Thamm (HVV) stellt dar, dass sich die Situation in den vergangenen zwei Jahren erheblich verändert habe. Die Anzahl der Baumaßnahmen habe nicht nur erhebliche Einschränkungen im SPNV zur Folge, sondern durch Straßenbaumaßnahmen sei auch der ÖPNV und der Individualverkehr vermehrt belastet. Daher sei eine stärke Koordination der Baumaßnahmen notwendig. Die Kommunikation zwischen den zuständigen Stellen müsse dringend verbessert werden. Das erfordere allerdings auch verstärkte Ressourcen. Der Hamburger Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) hat daher das Programm „ROADS“ zur Koordinierung von Baustellen eingeführt. Der HVV-Aufsichtsrat wird sich in einer Sondersitzung mit dem Thema beschäftigen.

 

Herr Schatkowski (DB Netz) beschreibt den schlechten Zustand der Infrastruktur und macht deutlich, dass das Verschieben von Investitionen nicht sinnvoll sei. Er stimmt seinen Vorrednern zu, dass frühzeitige Absprachen wichtig sind. Er nennt das Vorgehen beim Thema Baumfällungen als positives Beispiel für gute Zusammenarbeit der verschiedenen zuständigen Behörden und Unternehmen. Um dem derzeitigen Störgeschehen zu begegnen, werde derzeit die Disposition umgestellt. Durch eine neue Betriebszentrale soll eine intensivere Betreuung der betroffenen Streckenabschnitte sichergestellt werden.

 

Kreistagsabgeordneter Steffen (CDU-Fraktion) schildert die Entwicklung des SPNV im Landkreis der vergangenen 20 Jahre, um zu verdeutlichen, wie gut sich grundsätzlich das Angebot verbessert habe. Er stimmt den Gästen zu, dass die Baumaßnahmen notwendig sind. Allerdings pocht er auf eine verlässlichere und eine einheitliche Kommunikation mit den Bahnreisenden. Er fordert, dass während der Baustellenphase möglichst viele Züge bis zum Hamburger Hauptbahnhof durchgebunden werden.

 

Kreistagsabgeordneter Koch-Böhnke (DIE LINKE.-Fraktion) kritisiert, dass Land und Bund aufgrund ihrer Finanzpolitik für den schlechten Zustand der Verkehrsinfrastruktur verantwortlich seien. Die Privatisierung der Deutschen Bahn sei ein politischer Fehler gewesen. Er schlägt vor, dass der RE5 während der Baustellenphase in Neugraben hält, um dort den Umstieg in die S-Bahn zu ermöglichen.

 

Kreistagsabgeordnete Bade (SPD-Fraktion) berichtet von Problem mit Schienenersatz- bzw. Notverkehren und dass die Lautsprecherdurchsagen oft nicht verständlich seien. Außerdem würden oft Bäume im Seitenraum nur einseitig beschnitten werden, was die Standfestigkeit verschlechtere. In den Fällen, wenn die S-Bahn ausfällt, solle der RE5 die Fahrgäste an Bahnhöfen wie z.B. Dollern mitnehmen. Herr Kappel (start Unterelbe) antwortet, dass dies bereits angewiesen sei.

 

Herr Schatkowski (DB Netz) sieht einseitigen Baumschnitt ebenfalls kritisch und spricht sich für weitere Entnahmen aus. Die DB kontaktiere dazu derzeit rd. 1.200 private Anlieger. Bis 2020 sollen alle Gefahrenbäume entfernt sein. Er lobt die Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde in diesem Verfahren.

 

Erster Kreisrat Dr. Lantz ergänzt, dass in den von Fällungen betroffenen Bereichen situationsangepasst und bedarfsentsprechend Ersatzpflanzungen (z.B. Sträucher) getätigt würden. Der Landkreis als hat im Übrigen auch die betroffenen Bäume auf seinem Grund und Boden entfernt bzw. dies beauftragt.

 

Herr Harder (S-Bahn Hamburg) teilt mit, dass der Austausch mit der start Unterelbe GmbH gut funktioniere. Er macht noch einmal den Unterschied zwischen Schienenersatzverkehren (bei regulärem Zugausfall) und Notverkehren deutlich, die nur in akuten Fällen zum Einsatz kommen. Im letzteren Fall sei es naturgemäß schwieriger alle Fahrgäste zu transportieren, da man auf die freien Kapazitäten der Busunternehmen angewiesen sei. Die Zusammenarbeit mit der KVG Stade sei allerdings sehr gut. Er kündigt an, dass die Kommunikation mit den Fahrgästen in Zukunft verbessert wird.

 

Kreistagsabgeordneter Steffen (CDU-Fraktion) fordert hierzu, dass die Kommunikation zielgerichteter und systematischer erfolgen solle. Sowohl in Richtung der Kunden als auch mit den Verantwortlichen in der Region. Er fragt, wie sich perspektivisch die Entwicklung des SPNV gestalten wird.

 

Frau Schwabl (LNVG) berichtet, dass seitens des Bundes noch in diesem Jahr eine Entscheidung über die Elektrifizierung der Strecke von Stade nach Cuxhaven getroffen wird. Darauf aufbauend könnte eine Erweiterung des Fahrplanangebots vorgenommen werden. Ob eine Verlängerung der S-Bahn bis Cuxhaven möglich sei, müsse geprüft werden. Wegen der weiten Fahrstrecke bestünden andere Ansprüche an die Qualität der Ausstattung.

 

Erster Kreisrat Dr. Lantz plädiert dafür, die Informationen über Zugausfälle und -verspätungen auf einer einheitlichen Kommunikationsplattform, wie z.B. der HVV-App zu verbreiten.

 

Herr Kappel (start Unterelbe) hält einen regulären Halt in Neugraben für problematisch, weil die Station nicht barrierefrei ist. Der Umstieg in Buxtehude wäre aus seiner Sicht einfacher. Darüber hinaus dürfe der RE5 nicht an zu vielen Stationen halten, weil dann die Anschlüsse an den Fernverkehr in Hamburg-Harburg nicht eingehalten werden können.

 

Herr Thamm (HVV) berichtet, dass sämtliche Daten über Verspätungen zukünftig zentral über eine sog. Datendrehscheibe verwaltet werden. Das ermöglicht eine schnellere Kommunikation. Zu unterscheiden seien Baustellen und Spontanereignisse.

 

Herr Harder (S-Bahn Hamburg) regt abschließend an, über die Schließung von Bahnübergängen nachzudenken. Jeder Übergang sei ein neuralgischer Punkt und birgt die Gefahr von technischen Defekten.

 

Herr Schatkowski (DB Netz) ergänzt, dass der Bund den Rückbau von Bahnübergängen und den Bau von Ersatzwegen fördere.

 

Vorsitzender Ehlers dankt den Gästen für den regen Austausch. Das Thema soll in den kommenden Sitzungen wieder auf der Tagesordnung stehen.