Landkreis Stade

Inhalt

Auszug - Projekt "Klimaanpassung Einzugsgebiet Este-KLEE"  

Sitzung des Ausschusses für Regionalplanung und Umweltfragen
TOP: Ö 3
Gremium: Ausschuss für Regionalplanung und Umweltfragen Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 27.09.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 15:30 - 17:30 Anlass: Sitzung
2012/0136 Projekt "Klimaanpassung Einzugsgebiet Este-KLEE"
     
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Sitzungsvorlage
Berichterstatter/in:KBR Bode
Federführend:Umweltamt Bearbeiter/-in: Köhnlein, Heiko
 
Wortprotokoll
Abstimmungsergebnis

Nach einleitenden Worten von Herrn Peter (LK Harburg) zu den Hintergründen für das Projekt KLEE, für das gerade ein Antrag auf Förderung durch das BMU auf den Weg gebracht worden ist, erfolgt die Vorstellung des Projektes KLEE durch Herrn Dipl.-Ing. Edgar Nehlsen von der TU Hamburg-Harburg. Dieser berichtet, dass er sich im Rahmen von KLIMZUG Nord seit etwa 3 Jahren mit einem Teilprojekt "Tidebeeinflusste Nebengewässer der Elbe" und hier unter anderem intensiv mit der Este beschäftigt. Die hierin ermittelten Grundlagen sollen einfließen in das Projekt KLEE-Klimaanpassung Einzugsgebiet Este. Projektpartner sind u.a. die Landkreise Harburg und Stade, die Stadt Buxtehude sowie die Technische Universität Hamburg-Harburg. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass die Interessen der Esteanrainer vom Oberlauf (Landkreis Harburg) über die Tidegrenze (Stadt Buxtehude) bis zum Unterlauf (Landkreis Stade) berücksichtigt werden. Unter anderem soll das Systemverständnis für das hydrologische System der Este geschärft werden. Ziel soll es sein, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel für eine pilothafte Umsetzung im Einzugsgebiet der Este zu entwickeln. Dabei sollen die unterschiedlichen Interessenlagen (u.a. der Ober- und Unterlieger, der Landwirtschaft, des Naturschutzes) einfließen. Herr Nehlsen skizziert anhand von Folien, die dem Protokoll als Anlage beigefügt sind, die momentane Situation an der Este, die geprägt ist durch die mit einem erhöhten Sedimenttransport verbundenen Probleme (Sandablagerungen, hohe Kosten für Unterhaltung) und die Probleme hinsichtlich des Hochwasserschutzes insbesondere für die Ortschaft Moisburg und die Stadt Buxtehude. Er geht anschließend ein auf die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen hinsichtlich der Temperaturen und des Niederschlaggeschehens. Insbesondere hinsichtlich der Verteilung des Jahresniederschlags ist laut Herrn Nehlsen mit deutlichen Veränderungen zu rechnen. Im Sommer wird es für das Szenario A1B durch intensivere Niederschlagsereignisse zu einem Anstieg des maßgebenden (einmal in Hundert Jahren auftretenden) Hochwsserabflusses HQ100 um rund 60 % kommen. Dies würde zu einer deutlichen Anhebung des Wasserspiegels sowohl im Oberlauf, aber auch im Bereich der Stadt Buxtehude (20 - 80 cm) führen. Auch für den tidebeeinflussten Bereich, der bei Sturmflut durch das geschlossene Sperrwerk bei HH-Cranz geschützt wird, wäre mit einer deutlichen Zunahme des Wasserspiegels zu rechnen. Eine weitere Folge des Klimawandels könnte die Erhöhung des Bodenabtrags im Einzugsgebiet der Este um voraussichtlich 20 - 30 % sein. Diesem könnte z.B. mit einer erosionsmindernden Bodenbewirtschaftung (z.B. Mulchsaatverfahren) begegnet werden. Als Beispiel für eine wirksame Maßnahme zur Reduzierung des Binnenabflusses nennt Herr Nehlsen die Entsiegelung von bebauten Flächen. Abschließend stellt er die im Rahmen des Projektes KLEE abzuarbeitenden Arbeitspakete dar, an denen die einzelnen Projektpartner in unterschiedlicher Form (z.B. durch Einbringung von Eigenleistungen bzw. eigenem Personalaufwand) beteiligt sind.

 

Im Anschluss an den Vortrag von Herrn Nehlsen folgt eine Diskussion im Rahmen der Beratung durch die Mitglieder der beiden Fachausschüsse. Dabei geht es u.a. um Fragen, inwieweit die Freie Hansestadt Hamburg an dem Projekt beteiligt ist, welche Rolle der Naturschutz bei geplanten Maßnahmen spielt, aber auch um Feststellungen, dass das Gewässer Este als eine Einheit von der Quelle bis zur Mündung zu betrachten ist und Ziel daher die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für das gesamte Einzugsgebiet der Este sein muss.

 

KA Fischer begrüßt ausdrücklich das Zusammenkommen der zuständigen Fachausschüsse der beiden Landkreise, bemängelt jedoch, dass seine Anträge bezüglich Gründung eines Wasser- und Bodenverbandes für die gesamte Este von der Quelle bis zur Mündung bislang abgelehnt worden sind. Er begründet die Notwendigkeit für die Einrichtung eines neuen Verbandes damit, dass es einen Maßnahmenträger geben muss für die später umzusetzenden Maßnahmen.

 

Herr Peter erklärt, dass die Gründung eines neuen Verbandes im vorliegenden Fall nicht zur Lösung der anstehenden Problematik beitragen würde und sich Wasser- und Bodenverbände nach WVG in der Vergangenheit zum Teil als äußerst schwerfällig erwiesen haben. Herr Bode ergänzt, dass Hochwasserschutz primär Aufgabe der Gemeinden sei. Die Landkreise beteiligen sich hier im Rahmen einer freiwilligen Aufgabe. Bei dem Projekt KLEE ginge es nicht nur darum, wissenschaftlich zu arbeiten, sondern insbesondere auch um die Netzwerkbildung.

 

Auf die Frage eines Ausschussmitgliedes aus dem Landkreis Harburg nach der Zeitschiene für die Umsetzung konkreter Maßnahmen antwortet Herr Nehlsen, dass für das Projekt KLEE ein Zeitraum von 3 Jahren vorgesehen ist und dass im Anschluss daran mit der Umsetzung erster Maßnahmen begonnen werden kann.

 

KA Hansen betont, dass die Notwendigkeit, Wasserabfluss und Sandtransport zusammen zu betrachten, unumstritten sei, aus seiner Sicht aber nicht auf konkrete aktive Hochwasserschutzmaßnahmen in Buxtehude verzichtet werden könne. Herr Nehlsen erklärt, dass es bei dem Projekt KLEE nicht um die Planung z.B. von Deichen in der Stadt Buxtehude geht, sondern vielmehr mögliche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel untersucht werden sollen. Wichtig sei die Erkenntnis, dass durch den Klimawandel noch etwas "obendrauf" kommt.

 

Aus Sicht von KA Lefers ist das Estesperrwerk an der Mündung in die Elbe das Kernproblem, da sich das Wasser bei Sturmflut und geschlossenem Sperrwerk in der Este aufstaut. Dieses Problem könne nach seiner Auffassung nur durch Errichtung eines ausreichend leistungsfähigen Schöpfwerkes an der Estemündung gelöst werden.

 

Der Ausschussvorsitzende KA Grundmann bezeichnet die heutige Beratung als wertvolle Debatte. Wichtig sei, dass miteinander geredet werde und nicht übereinander. Er unterstreicht seine Auffassung, dass moderne Formen der Konsultation genutzt werden sollten durch Hinweis auf ein ausgezeichnetes Projekt der Stadt Wennigsen, bei dem sich die Bürger über eine Online-Plattform einbringen konnten.

 

KA Fischer möchte den Beschlussvorschlag dahingehend ergänzt haben, dass die Verwaltung beauftragt wird, konkrete Maßnahmen umzusetzen.

 

Aus Sicht von KA Hansen kann dem Antrag von KA Fischer nicht gefolgt werden, da derzeit noch gar nicht bekannt ist, welche Maßnahmen sinnvoll und daher zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen seien.

 

Der Antrag von KA Fischer auf Ergänzung des Beschlussvorschlages wird abgelehnt. Die Kenntnisnahme durch den Ausschuss erfolgt einstimmig.


Abstimmungsergebnis:

Einstimmig.

             

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 KLEE_Vorstellung_20120927_nehlsen (2778 KB)      

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 KLEE_Projektskizze (115 KB)      
Anlage 2 2 KLEE_Anlage2_Kosten (43 KB)      
Anlage 3 3 KLEE_Anlage1_Zeitplan_1 (51 KB)